Ein Kampagnen-ROAS von 8 klingt ausgezeichnet. Trotzdem kann es sein, dass ein großer Teil dieser Käufe auch ohne Werbung stattgefunden hätte.
Genau hier setzt Incrementality an. Statt nur zu fragen, welchem Kanal eine Conversion zugerechnet wurde, untersucht die Methode, welchen zusätzlichen Effekt Werbung tatsächlich verursacht hat.
Plattformen berichten, welche Umsätze nach Anzeigenkontakten oder Klicks erfasst wurden. Das beantwortet eine wichtige operative Frage: Welche Kampagne war an einer Conversion beteiligt?
Es beantwortet aber nicht automatisch diese Frage:
Wäre der Kauf ohne die Kampagne ebenfalls passiert?
Das Problem zeigt sich besonders bei:
Eine Person sieht beispielsweise eine Social Ad, sucht später nach der Marke und kauft über Google. Je nach Attributionsmodell kann Google den Abschluss erhalten. Umgekehrt kann Retargeting einen Kauf zugerechnet bekommen, der ohnehin kurz bevorstand.
Attribution verteilt Anerkennung. Incrementality untersucht Ursache und Wirkung.
Bei einem klassischen Lift-Test werden vergleichbare Gruppen gebildet:
Der Unterschied zwischen den Ergebnissen beider Gruppen zeigt den zusätzlichen Effekt der Kampagne – den sogenannten Lift.
Google Conversion Lift und Meta Conversion Lift arbeiten nach diesem Grundprinzip. Je nach Methode werden Nutzer:innen oder geografische Regionen aufgeteilt. Gemessen werden können beispielsweise zusätzliche Käufe, Leads, Websitebesuche oder Conversion-Werte.
Ein stark vereinfachtes Beispiel:
Die Kampagne war damit an mehr als 200 Käufen beteiligt, hat aber nach dem Testmodell 200 davon tatsächlich zusätzlich verursacht.
Attribution ist schnell, granular und für die tägliche Kampagnensteuerung nützlich. Sie hilft bei Fragen zu Anzeigen, Zielgruppen und Touchpoints. Ihre Grenzen liegen bei kanalübergreifenden Wechselwirkungen und ohnehin stattfindenden Conversions.
Experimente sind besonders stark bei konkreten Fragen:
Sie liefern kausale Evidenz, sind aber zeitlich begrenzt und benötigen ausreichend Volumen sowie eine saubere Testanlage.
Marketing-Mix-Modelle betrachten längere Zeiträume, mehrere Kanäle und externe Faktoren wie Saison, Preise oder Markeninteresse. Googles Open-Source-Modell Meridian ist ausdrücklich auf die Schätzung kausaler Marketingeffekte ausgerichtet und kann Erkenntnisse aus Experimenten einbeziehen.
MMM ist besonders für strategische Budgetfragen interessant, benötigt aber hochwertige Daten und statistische Kompetenz.
Nicht jedes Unternehmen braucht sofort ein komplexes Messsystem. Je höher das Budget und je mehr Kanäle parallel laufen, desto größer wird jedoch das Risiko, auf Basis überlappender Plattformberichte falsche Entscheidungen zu treffen.
Ein Einstieg lohnt sich besonders, wenn:
Kleinere Unternehmen können mit kontrollierten Kampagnenexperimenten beginnen. Wichtig ist, nicht gleichzeitig Preis, Angebot, Zielgruppe und Creative zu verändern. Sonst bleibt unklar, welcher Faktor den Unterschied verursacht hat.
Nein. Er ist ein nützlicher Leistungsindikator. Er sollte nur nicht automatisch mit kausaler Wirkung gleichgesetzt werden.
Der iROAS setzt den durch Werbung zusätzlich verursachten Umsatz ins Verhältnis zu den Werbekosten. Er betrachtet damit nur den geschätzten Mehrwert, nicht alle zugerechneten Umsätze.
Nicht jede Plattformfunktion ist für jedes Konto verfügbar. Tests benötigen meist Mindestvolumen, ausreichend Budget und korrektes Conversion-Tracking.
Marketingmessung wird nicht besser, indem noch mehr Conversions einem Kanal zugeschrieben werden. Sie wird besser, wenn Unternehmen verstehen, welche Maßnahmen tatsächlich einen Unterschied machen.
ROAS bleibt wichtig. Incrementality ergänzt ihn um die entscheidende Gegenfrage: Was wäre ohne die Werbung passiert?
Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI recherchiert, strukturiert und redaktionell ausgearbeitet und anschließend von uns geprüft und überarbeitet.